Inferno - so what?! - mein "inferiales Erlebnis"

Wikipedia:

Inferno (italienisch ‚Hölle‘) bezeichnet:
 
Inferno Triathlon:
 
  • 3,1 km Schwimmen
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  • 155 km Radfahren
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  • 25 km Laufen
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  • Höllisch sind die 55oo Höhenmeter netto bergauf.
  •  
  • 18 Kilometer Aufstieg mit 20% Steigungsrampen am Rad
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  • Technisch anspruchsvolle Passagen am Mountainbike
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  • Berglauf von 25 km und 2175 Höhenmeter
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  • Die Höhe – die Ernährung – der Wille
 
 
"....Dieser Wettkampf gehört zu den härtesten im Triathlon, ist aber mit viel Willen und Geduld zu meistern.
 
In einem Tag Inferno-Triathlon durchlebt man eigentlich fast ein ganzes Leben in geraffter Form.
 

Er ist gleichsam auch ein unvergleichlichen Naturerlebnis in der einmaligen Bergwelt des Berner Oberlandes. Sport vor der schönsten Kulisse der Welt:
 
Eiger, Mönch und Jungfrau!
 

Der Inferno-Triathlon führt offenbar den Ausdauermehrkampf abseits jeder Bestzeitjagd zurück zu seinen Wurzeln: Dem Finishergedanke und der Suche nach sportlichen Grenzerfahrungen....."


 
Dies sind einfach Zahlen + Statements von Finishern aus den Vorjahren, aber jeder der am Start steht, kann später SEINE Geschichte erzählen, jede wird anders sein, jede wird spannend sein, jede wird über Höhen und Tiefen erzählen und bestimmt werden in jeder Geschichte viele Emotionen enthalten sein.
 
Und das ist meine Geschichte:
 
Als ich bei der Suche nach meinen mittlerweile 20 Zielankünften auf einer Langdistanz nach einer entsprechenden Abwechslung auf www.inferno.ch gestoßen bin, habe ich u.a. die Erlebnisberichte aus dem Vorjahr gelesen. Für mich standen und stehen nie Streckenrekorde im Vordergrund, sondern die Suche nach dem persönlich perfekten Rennen, die Suche nach meinen sportlichen Grenzerfahrungen unabhängig von Zeit und fernab von Limits. So war ich zB beim Ironman Lanzarote im Nachhinein betrachtet während des Wettkampfs innerlich blockiert – ich hatte doch Angst, dass ich wieder nicht durchkomme.  Nach Lanza war ich gelöst und erleichtert, die Abwechslung mit der Licht ins Dunkel-Staffel beim Ironman Austria hat das Seinige dazu beigetragen. Das gute Ergebnis in Trum bestätigt meinen mentalen Zustand!
 
Mit einer detaillierten Planung, mit Demut und der notwendigen Konsequenz bin ich an das Projekt herangegangen: als erstes wurde unser Standplatz vor Ort ausgewählt und die weiteren logistischen Hindernisse überwunden (3 statt 2 Wechselzonen, Selbstverpflegung??, Verpflegungsstationen,….). Dann wurde die Ausrüstung optimiert: ich machte mich mit meinem neuen STEVENS – Bike vertraut – ein richtiger Motivationsschub und ein rieser Unterschied zu meinem alten Gefährt!! Soll ich mit meinem Zeitfahrrad fahren? die Übersetzung ändern? Ein 27iger oder 28iger Kranzl aufziehen, würde ein 30iger passen? Diese Auswahl stellte letztlich die größte Herausforderung dar, denn ich wollte mich ja nicht schon auf den ersten 97km „abstechen“.
Ein wirklich gutes Streckenstudium vorab war leider aus zeitlichen Gründen nicht möglich - der größte Unsicherheitsfaktor, da ich auch die Abfahrt am Bike nicht kannte und aus Erfahrung wusste, wie viel Zeit herausholbar ist, wenn ich kennt, was hinter der nächsten Kurve auf mich wartet. Christoph kannte das Berner Oberland bereits vom Bergsteigen: Eiger, Jungfrau und Mönch stehen als wahre Riesen da und ragen quasi von der Ebene 16oo Hm empor: ein optimales Auffangbecken für Wolken und Wetterstürze. Ist am Thuner See mit einer starken Strömung zu rechnen??,….
 
Diese Fragen versuchten wir vorab zu klären und dann ein paar Tage früher anzureisen. Ganz vorsichtig sollte ich zumindest ein teilweises Steckenstudium betreiben, da ich ja tapern musste – der Rest war mir egal, sei’s drum.
Mein Training stellte ich ebenfalls um: Koppeln mit Einheiten wie Swim- Roadbike ins Kühtai – Biken auf die Seegrube – Berglauf standen vermehrt am Programm. Die Tage waren jedenfalls ausgefüllt und machten richtig Spass. Den Materialtest absolvierten wir am Kitzbühler Horn.
 
Und so ging es dann los:
 
Beim Schwimmen lief es anfangs erwartungsgemäß. Dann kamen die ersten Bauchkrämpfe - egal. Ganz Vorsichtig bin ich dann in die ersten Steigungen auf dem Rennrad gegangen, versuchte mich in den Abfahrten zu erholen und im flachen Sektor möglichst ökonomisch zu gasen. Die Auffahrt auf die große Scheidegg war dann landschaftlich phenomenal: ich wusste zwar, wie oft es mir ungefähr möglich war, in meinen roten Bereich zu gehen und wie lange ich dort bleiben konnte, aber bereits zu diesem Zeitpunkt konnte ich das erste Mal in meiner ganzen Karriere keine Nahrung mehr aufnehmen: so vorsichtig wie möglich blieb ich daher insbesondere in den wirklich steilen (20%igen) Rampen und kam schwer enttäuscht in die zweite Wechselzone. Ein Blick auf Armin und Christoph freute mich sehr. Nunmehr hieß es, den Rhythmus erneut zu finden und die bereits strapazierten Muskeln für den nächsten Uphill zu motivieren. Auf der kleinen Scheidegg komplett demotiviert und psychisch schwer angeschlagen, mein Körper rebellierte in vollen Zügen - muss ich mir das antuen? Neuen Mut schöpfte ich aus der wirklich unvorstellbar gewaltigen Natur: Downhill kurz und bündig: ich wurde ausgebremst und in einen kleinen Sturz verwicklet - BIKE ok, Körper eh scho nimma gspürt. "Ich beende diesen Triathlon"!Die letzten Kilometer vor dem Lauf hielt ich die Frequenz immer wieder bewusst hoch, irgendwie sollte das Laktat aus meinen Muskeln und diese von der doch statischen Belastung beim Downhill wieder an den Move gewöhnt werden. Ich fühlte mich wirchlich "beschi...." und verdrängte jeden Gedanken an den Schmerz. Wieder traf ich meine Familie kurz. Der nächste Einbruch erfolgte dann in den Steigungen vor Mürren, es wurde echt hart. Schritt für Schritt kämpfte ich mich weiter. Meter um Meter ging es höher, es wurde angenehm kühl, die Landschaft,…. Es kam leider trotzdem kein FLOW: mein Körper spielte einfach nicht mehr mit - wie sollte ich die letzten 300 Höhenmeter noch schaffen? "Wenn Dir dahinauf noch etwas passiert, müssen wir den Hubschrauber holen und das ist teuer! Anders können wir Dir dort nicht helfen!!" 50 Meter gehen, hinsetzen,.... - so etwas habe ich körperlich noch nie erlebt - die Totalverweigerung und plötzlich war ich fast am Gipfel, Armin ging noch mit mir mit, ich war im Ziel –James Bond läßt grüßen.
 
Trotz meines Disasters - jeden Triathleten trifft es offenbar einmal - war der INFERNO phenomenal. Von der Organisation, der Landschaft, der Herausforderung - es passte einfach alles - bis auf meine Leistung.
 
Ich war noch nie so glücklich über ein FINISH - I DID IT.
 
dehydriert - unterzuckert - mit Magenkrämpfen und mit wenig Sauerstoff!!
 
PS: tolle Bilder gibt es nach meinem Urlaub!!
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